Wellenreiter

Saint Giron Plage, Frankreich

Vor ein paar Monaten kam irgendwann der Zeitpunkt, wo ich mir so langsam Gedanken über die letzten Wochen meiner Reise machen musste. Ich wollte zumindest in den letzten beiden Wochen meiner Weltreise nicht viel von einem Ort zum nächsten reisen, sondern am besten die gesamte Zeit an einem Ort verbringen. Nochmal entspannen und zur Ruhe kommen bevor es wieder zurück nach Deutschland geht. Mir kam schließlich ein Surfcamp in den Sinn, denn Surfen wollte ich sowieso gerne mal lernen und trotz der mittlerweile über einen Jahr andauernden Reise bin ich bisher nicht dazu gekommen. Meine Internetrecherche für Surfcamps in Frankreich oder Portugal brachte mich nicht wirklich voran, denn ich wurde von den Ergebnissen förmlich erschlagen. Das Problem war jedoch, dass überall stand, wie toll die Unterkunft, das Essen und der Yogakurs sei, aber nirgends stand wirklich etwas über die Surflehrer. Ich brauche keine Villa mit Pool, mir reicht ein Zelt, vielmehr möchte ich gerne Surflehrer, welche einem das Surfen auch tatsächlich beibringen können und nicht nur einem etwas vorsurfen können.

Ich habe dann jedoch einen Tipp bekommen, dass das Wellenreitercamp in St. Giron Plage in Frankreich gut sein soll. Dieses buchte ich dann auch einfach, da ich auf eine persönliche Meinung mehr wert legte als auf schöne neue Internetseiten. Nach meiner Reise durch Portugal ging es dann mit dem Flug von Porto nach Bordeaux und von dort mit dem Zug nach Dax. Von dort wurde ich vom Surfcamp abgeholt.

Les Landes nennt sich das an der südlichen Biscaya gelegene französische Département, das auf Befehl von Napoleon durch Aufforstung zum größten zusammenhängenden Waldgebiet Westeuropas geworden ist. Mit seinen über 200 km langen Stränden, dem warmen Wasser und den erstklassigen Wellen hat es sich in den letzten Jahrzehnten zum Surfmekka in Europa entwickelt. Von Mai bis September finden Anfänger und Fortgeschrittene an den breiten Sandstränden perfekte Surfbedingungen vor.

Hier, ca. 130 km südwestlich von Bordeaux liegt der kleine Küstenort St. Girons Plage. Er besteht im Wesentlichen aus Ferienhäusern, einem kleinen Supermarkt, Surfshops sowie verschiedenen Restaurants und Bars. Im übrigen Jahr wie ausgestorben, erwacht der Ort in den Sommermonaten zu vollem Leben.

Das Surfcamp befindet sich direkt hinter Düne und mitten im Pinienwald auf einem Campingplatz.

Ich war zwar schonmal einzelne Tage surfen, zumeist jedoch auf eigene Faust und weniger erfolgreich, deswegen buchte ich lieber einen Anfängerkurs. Der Kurs war gut gemischt und nach einer Vorstellungsrunde ging es mit den gelbblauen Softboards gleich ins Meer. In der ersten Wassereinheit mussten wir das Gleiten auf den Schaumwalzen üben und im Laufe der Woche kamen immer mehr Schritte hinzu, sodass schon bald alle aus dem Kurs auf dem Softboard die Schaumwalzen reiten konnten. Neben der Einheiten im Meer gab es auch informativen Theorieunterricht über Wellenbildung, Ge(h)zeiten, Aufstehtraining auf Brettleichen und Paddeltraining auf einem See.

Die erste Woche verging wie im Flug, machte unglaublich viel Spaß, ich war gerade im surfen drin und ich war froh, dass ich von Anfang an zwei Wochen gebucht hatte. Man ist gerade im Surfen drin In der zweiten Woche bin ich in den Intermediatekurs aufgestiegen. Luki, mein Surflehrer aus der ersten Woche, übernahm den Intermediatekurs, da neben mir auch drei weitere aus dem Anfängerkurs von der ersten Woche weitermachten. In der zweiten Woche wurde mit surfen von Schaumwalzen begonnen und das Aufstehtraining wurde weiter fortgeführt, um die Aufstehbewegung zu perfektionieren. Am nächsten Tag sind wir ein bisschen rausgepaddelt und sind zum Teil Schaumwalzen und grüne Wellen auf der Inside gesurft. An den Folgetagen ging es nochmal eine Stufe weiter und wir paddelten komplett raus ins Lineup, um von dort die grünen Wellen zu surfen. Es war sehr anstrengend gegen die Wellen ins Lineup zu paddeln. Vor allem, wenn ein großes Set anrauschte und die Durchtauchtechniken mangels Kraft nicht funktionierten. Sobald man aber im Lineup saß, konnte man sich auch erstmal ausruhen und die Wellen an einem vorbeiziehen lassen. Am vorletzten Surftag waren die Bedingungen am besten. Einige grüne Wellen wurden geschlitzt und mit dem Erlebnis im Lineup merkte ich zum ersten Mal was surfen eigentlich wirklich ist, denn die Schaumwalzen die Woche zuvor waren nichts dagegen. Am letzten Tag kamen zwar die Wellen in einem größeren Abstand, aber dafür transportieren sie viel mehr Wasser und waren ein wenig höher. Ich habe es zwar ins Lineup geschafft, aber nicht geschafft eine einzige grüne Welle zu bekommen. Die Wellen haben mich gut durchgewaschen und unter Wasser gezogen. Mein zweiten Versuch wieder ins Lineup zu kommen musste ich abbrechen, da ich durch die Wellen nicht durchkam und nur „auf’s Maul“ bekommen habe. Durch die Grenzerfahrung wurde ich dann auch wieder auf den Boden der Tatsachen zurück geholt, was möglich ist und was nicht.

Auch die zweite Woche machte mir im Camp unglaublich viel Spaß. Die Atmosphäre, die netten Leute, das gute Wetter und das geile Surfen machten die beiden Wochen perfekt. Man lebte wie in einer kleinen Blase und alles andere drumherum interessierte einen einfach nicht. Auf meiner Zugfahrt von Dax nach Antwerpen bekam ich erstmalig Zeit die letzten beiden Wochen Revue passieren zu lassen und realisierte erst was für eine gute Zeit ich in den letzten zwei Wochen hatte. Wäre das mein Startpunkt im letzten Jahr gewesen bin ich mir gleichzeitig sehr sicher, dass ich an diesem Punkt länger hängen geblieben wäre. Ich bin mir sicher, dass es nicht meine letzten Tage in einem Surfcamp gewesen sind. Die Wellen müssen ja auch geschlitzt werden. Bis zum nächsten Mal!

 

Ein Applaus!

 

 

Ein Gedanke zu „Wellenreiter

  • 31. Juli 2017 um 09:56
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    Hört sich an als wenn du schon gecheckt hast wann du wieder hinfahren kannst.

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